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Der Name Krasna von „Krasnoje" ist als der dritte nach „Elisabeth" und „Konstantinsschutz" erhalten geblieben. Er wurde der Gemeinde von der Obrigkeit zur Erinnerung an den Sieg über Napoleon, bei Krasnoje aufgezwungen. In dieser Schlacht sollen nur 700 Russen, dagegen 6.000 Franzosen in Gefangenschaft geraten sein; dazu fiel den Russen die Kriegsbeute von 45 Kanonen zu, damals ein schwerer Verlust für den Korsen.

Krasna war die einzige katholische unter den 25 Muttergemeinden. Im Jahre 1825 gab die Regierung einem Gesuche der Gemeinde statt, die konfessionelle Einheit der Gemeinde herzustellen: von den 113 Siedlerfamilien waren nämlich 19 evangelischen Bekenntnisses. Aus mannigfachen Gründen war das Halten der Feiertage mit Schwierigkeiten verbunden. In dem acht Kilometer entfernten Katzbach bestand noch eine Aufnahmemöglichkeit. Die evangelischen Familien wurden daher nach Katzbach überstellt.

Die Einwanderer von Krasna kamen aus dem Herzogtum Warschau, wohin sie schon seit 1804 aus Bayern (Kreis München), aus Rheinfranken und Rheinland-Pfalz ausgewandert waren. Sie gründeten die Gemeinden Ortschokowin und Schitonitz. Beim Russlandfeldzug Napoleons wurden Sie zweimal geplündert und verarmten vollständig. Zu einem Neuanfang fehlte ihnen der Mut. So zogen sie, dem Rufe Alexanders I. folgend, nach Bessarabien. So einmütig wie sie mit den Volksgenossen evangelischen Bekenntnisses dem Untergang in Polen entgingen, blieben sie einander auch in der neuen Heimat bis zur Umsiedlung 1940 treu verbunden.

Auch einige polnische Familien waren mitgezogen und sind in Krasna in der Liebe zur neuen Heimat vollständig aufgegangen. Lehrer E. Ruscheinski gibt dieser Liebe mit den Worten Ausdruck: „Friedlich liegst du hier im Tale, lieber, treuer Heimatort".

Wer Krasna besuchte, wurde bald von herzlicher Gastfreundschaft umfangen, wehe dem aber, der als Friedensstörer durch die Tore und Gassen ziehen wollte! Das Wort „Krasna" jagte allen Dieben und Mördern Schrecken ein, die auf dem Wege in das Untersuchungsgefängnis Akkermann in Krasna halt machten. Kein deutscher Kolonist hatte unter dem manchmal sehr harten Regiment der Aufsichtsbeamten des Fürsorgekomitees so viel und so harte Prügel eingesteckt, wie Diebe und des Mordes Beschuldigte, die in Krasna eine Ruhepause haben sollten!

Zar Alexander I.

Die Gemeinde Krasna ist erst nach mehr als einem Jahrzehnt eine Heimat geworden. Die Gründerfamilien kamen nach mühevollen Fußmärschen, die geringe Habe auf den Karren und Wagen schleppend, ohne Bargeld im Herbst 1814 und im Frühjahr 1815 im Kogälniktale an. Von dem ihnen zugedachtem Unterhaltsgeld von acht Rubel pro Familie und sonstigen Beihilfen erhielten sie in dem Kontor in Tarutino nur einen Teil; der andere blieb auf dem Wege in den Händen der korrupten Beamten hängen.

Verärgert und enttäuscht nach so viel Hoffnungen gruben sich die Leute in Erdhütten ein. Im Frühjahr bestellten sie das Feld um das Dorf mit dem Holzpflug, Hacke und Spaten und halben sich gegenseitig mit dem Wenigen aus: „Mit dem Ackerbau ging es anfangs nur langsam vorwärts. Es fehlte beides: Zug und Pflug. Die landwirtschaftlichen Geräte waren unvollkommen. Die Wagen hatten noch hölzerne Achsen. Das Getreide wurde mit Sicheln und Sensen gemäht und mit der Wurfschaufel geputzt. Es fand nur schwachen Absatz. Die Verkaufsstellen für Getreide waren anfangs Odessa, später Akkerman und Kilia. Die Preise waren sehr niedrig und daher die Einnahmen gering. Danach mussten unsere Vorfahren ihr Leben einrichten. Es war sehr einfach. Die Kleidung verfertigten sie sich selbst aus Flachs, Hanf und Wolle. Sie erzeugten viele Produkte, bekamen aber nur ganz wenig Geld. Ein Mann mit 200 bis 300 Rubel galt als ein reicher Mann."

Doch um die achtziger Jahre hatte sich die Lage wesentlich geändert. Die Landwirtschaft, der man in Krasna treu blieb, brachte immer mehr ein. Der rote und später weiße (Krimer) Weizen schlug ein; die Jahre 1906 und 1910 waren glänzende Weizenjahre und geben den Start in eine bessere Zeit. Als sichtbares Zeichen des Wohlstandes kamen Dampfdreschmaschinen in das Dorf. Viele der Kornbauern wurden reich. In Krasna konnte man immer viel Geld leihen. Die Pferdezucht, ein Lieblingszweig der Krasnaer Bauern, die auf den Fleischmarkt abgezielte Viehzucht, brachten große Einnahmen. Fleiß und Sparsamkeit aber waren ausschlaggebend für den Aufstieg.

Dampfdreschmaschine aus dieser Zeit auf einem Hof in Deutschland (hier nicht in Bessarabien)

In Krasna mussten die Wirtschaften infolge des Bevölkerungszuwachses ständig geteilt werden. Das Dorf wurde schöner größer, aus 2 entstanden 6 Häuserreihen. Eine Wirtschaft der Gründerfamilien hatte 58 Deßjatinen (etwa 64 Hektar). Die Möglichkeit des Hinzukaufs wurde von mehreren Bewohnern ausgenutzt, die insgesamt etwa 2500 Hektar kauften. Aber diese Möglichkeit hörte auf. Die Landnot und vorhandene Barschaft nötigten zur Abwanderung und Gründung von Tochterkolonien.

Im Jahre 1874 zogen mehrere Familien nach Rumänien und gründeten die Gemeinde Karamurat in der Dobrudscha. Es wurde ein schönes Dorf mit eigener Schule und Kirche. Eine zweite Gruppe zog 1884 auf Pachtland im Kanteminer Tal und von hier nach
Emmental im Kreise Bender. Emmental wurde eine wohlhabende Bauerngemeinde. Kleinere Gruppen zogen 1908 nach Sibirien und in den Kaukasus. Nach Amerika wanderten bis zum Ersten Weltkrieg 94 Familien und 29 ledige Personen, zusammen 567 Seelen aus. IM Jahre 1925 schlossen sich 25 Familien dem Auswandererstrom nach Brasilien an. Der letzte Schub folgte 1929 nach Brasilien und Kanada. Nöte und Wagemut hielten sich auf diese Weise bei den Deutschen die Waage.

 

Die ersten Gottesdienste wurden in Privathäusern gehalten, aber schon nach vier Jahren erbaute die Gemeinde ein kleines Kirchlein (1818). Die seit der Gründung selbständige Pfarrei war sich aber ihrer Sendung und Aufgabe bewusst und erbaute in der Mitte des Dorfes im Jahre 1866 die schöne Pfarrkirche. Sie wurde am 6. Oktober 1874 von Bischof Lipski eingeweiht.

Innenansicht von St. Joseph

St. Joseph Pfarrkirche in Krasna

Das erste Pastorat wurde mit der ersten Kirche 1818 erbaut, das zweite und letzte 1881. Die Schule war von Anfang an Pfarrschule im eigenen Gebäude und diente als Mädchenschule mit fünf Lehrkräften bis zur Umsiedlung. Das zweite Schulgebäude wurde von der Landschaft (Semstwo) errichtet. Es diente als Knabenschule und hatte vier Klassen mit 6 Lehrkräften. Von den Baukosten in Höhe von 20.000 Rubel zahlte die Gemeinde 8.000 Rubel.

Besonders seien Pfarrer Schumachers Bemühungen erwähnt, der sich mit dem Bau des Vereinshauses „Unser Heim" und seinem Pfarrgarten ein bleibendes Denkmal schuf.

Im Besitz der Kirchengemeinde Krasna befand sich vor der Umsiedlung: die Kirche mit Pfarrhaus, das Rathaus, das Vereinshaus, die Mädchenschule und zwei Höfe der Weidegesellschaft.

Nach der Umsiedlung begann die Zerstreuung in Danzig-Westpreußen und nach dem Zusammenbruch 1945 und der Flucht nach dem Westen setzte sich die Zerstreuung fort.

Eine Aktion des früheren Emmentaler Pfarrers Campe führte zu einer gewissen Sammlung der katholischen Landsleute aus Krasna in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, vornehmlich in dem Kreis Mayen und in Neuwied und in Württemberg-Hohenzollern-Siegmaringen.

Liste der Amtsträger der Pfarrgemeinde Krasna

Name Vorname Im Amt vom bis
Paschkowski Lukas Pastor 21. November 1814 20. Augsust 1821
Tischinski Joseph Pastor 20. August 1821 29. Juni 1822
Duminski Lukas   29. Juni 1822 30. September 1823
Koszielski Dominikus Pastor 30. September 1923 12. Juni 1831
Kultschizki Ignatius   12. Juni 1831 März 1835
Hamer Johann Pastor März 1835 12. Januar 1836
Angermeier Ludwig Pastor 12. Januar 1836 23. Januar 1836
Sylvestrowitsch Ignatius Pfarrer aus Kischineff verwaltete Krasna 2 Monate  
Klopowski Florian Pastor 23. Januar 1836 5. Januar 1840
Saworski Hyazinth Pasto 5. März 1840 2. Juli 1841
Biarkowski Bonaventura Pastor 5. Juli 1841 30. August 1842
Pruski Ignatius Pastor 30. August 1842 1. Januar 1848
Kümowitsch Adam Pastor 1. Januar 1848 5. September 1870
Mayer Georg   5. September 1870 28. Juli 1873
Schnell Johnnes   28. Juli 1873 4. Februar 1884
Ungemach Johannes   4. Februar 1884 18. März 1884
Ibach Nikolaus   18. März 1884 4. Oktober 1885
Baier Georg   4. Oktober 1885 21. Oktober 1887
Matery Joseph   21. Oktober 1887 29. Januar 1888
Löwenbrück Franz   29. August 1890 16. November 1890
Nold Joseph   16. November 1890 16. August 1894
Oks Alois   16. August 1894 25. April 1901
Rissling Ludwig   25. April 1901 14. August 1904
Szczurek Nikolaus   14. August 1904 5. April 1905
Beilmann Joseph   5. April 1905 28. September 1908
Rissling Ludwig   28. September 1908 22. März 1911
Leibham Bernhard   22. März 1911 September 1934
Eschweiler Anton Kaplan    
Szell Eduard      
Schumacher Wilhelm   1935 1940
Schmegner Jakob Kaplan    

 

Gündung:

Herbst 1814

Einwohner

Seelenzahl: ca. 3.511
Familienzahl: 610

Landmenge im Eigentum der Gemeinde Krasna

Gemarkung Desjatinen Hektar
Krasna 8.229 7.532
Roszinowka Scharg 472 432
Friedenstal (Schreibersteppe) 357 327
Paris 605 554
Köstitz 724 663
gesamt 10.387 9.512

Handwerk und Gewerbe

Betrieb Anzahl
Dampfmühle 1
Geschäfte (Einzelhandel) 6
Molkerei 3
Ölmühle 2
Schmiede 14
Schneider 6
Stellmacher 6
Schuster 2
Tischler 8
Windmühle 1

Die Zahlen beziehen sich auf den Stand von 1940, dem Zeitpunkt der Umsiedlung

 

St. Josef in Krasna (eingeweiht 6. Oktober 1874 / heute zerstört)

Deutsche Kapelle in Krasnoje

Gedicht zur Kapelle in Krasna
Andreaskapelle, du kleiner Dom,
du stehst auf heiligem Land!
Du ziehst uns an wie das heilige Rom
und längst ist uns bekannt.
Du bist unser Kleinod am Schwarzen Meer,
der Glockenton ruft es uns zu.
Von dir zu wissen, freut uns gar sehr,
schenkst Kraft, Trost und Ruh.
Heiliger Andreas, beschütze dieses Gotteshaus
ist es auch klein,
von ihm geht Gottes Segen aus,
ich spürte ihn und nahm ihn mit heim.
v. M. Cremer

Mädchenschule in Krasna

Knabenschule in Krasna

Hof Schreiber in Krasna

Raffael Bachmeier

 

In Vorbereitung

Quellen:

  • "Heimatbuch der Bessarabiendeutschen" von Pastor Albert Kern
  • private Fotos und Aufzeichnungen

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