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In der Zeit von 1812 bis 1877 wurden deutsche Siedler nach Russland, insbesondere nach der Ukraine, geholt. Dem Ruf folgten viele, da die neuen Siedler vom Staat unterstützt wurden. Es wurde ihnen nicht nur ausreichend Land, sondern auch Ackergerät, Saatgut und Vieh kostenlos zur Verfügung gestellt. Die neuen Siedlungen entstanden als Reihendörfer entlang den großen Flussläufen, da Flüsse das bekannteste, zum Teil sogar das einzige Verkehrsmittel waren. Ortsnamen wie Mannheim, Kandel, Elsass, Strassburg, Rastatt, deuteten auf die Herkunft der Siedler hin. Mit der Zeit wurde das Land knapp und teuer. Entsprechend teurer wurden auch die Pachtsätze. Man konnte 1 Desjatine = 12.000 qm, für etwa 10 Rubel Jahrespacht verpachten. Dagegen waren die Pachtsätze in Bessarabien mit etwa 1,50 bis 3 Rubel wesentlich billiger. Es kamen deshalb viele auf den Gedanken, ihr Land in der Ukraine teuer zu verpachten und für die Pacht in Bessarabien entsprechend mehr Land zu pachten. So entstanden etwa um 1880 neu deutsche Dörfer in Bessarabien. Eines davon führte den Namen Lermansthal. Es war genannt nach dem Grundstückseigentümer, also der den Namen Lermantov führte. Etwa im Jahr 1892 wurde der Name in Balmas umgeändert. Das neue deutsche Dorf lag im Kreis Bender. Etwa 15 km von der Kreisstadt entfernt. Zur nächsten Bahnstation Bolboaka waren es ca. 9 km. Am Anfang bestand das Dorf aus etwa 50 Familien. Die gesamte Gemarkung des Dorfes umfasst etwa reichlich 3.000 Desjatinen, was nach deutschen Verhältnissen mit etwa 15.000 Morgen gleichzusetzen ist. Im Durchschnitt kamen demnach auf jeden Siedler ca. 300 Morgen, was außerordentlich weit über die größten deutschen Bauernhöfe hinausgeht. Nach Überwindung der Anfangsschwierigkeiten entwickelte sich, beinahe zwangsläufig, im Dorf ein großer Wohlstand. Bezeichnend dafür ist die Tatsache, dass diese wenigen Familien, ohne irgendwelche Staatszuschüsse, eine eigene deutsche Schule einrichteten und den Lehrer voll unterhalten konnten. Ein eigener Pastor war für den kleinen Ort naturgemäß nicht vorhanden. Doch hatte die Gemeinde auf ihre Kosten einen ausreichenden großen Betsaal eingerichtet und wurde von einem Pastor betreut. Der Aufwand dafür wurde auch von der Gemeinde getragen. Der Name des Pastors war Boss, der Name des ersten Lehrers war Josef Blanck. Daneben bestand eine eigene Gemeindeverwaltung mit einem eigenen Gemeindehaus, wofür die Gemeinde alle Kosten selbst trug. Der erste Bürgermeister, den man bei uns Schulz nannte, hieß Johannes Bullach I, Feldwebel genannt. Die Pachtverträge liefen auf 10 Jahre und wurden jeweils um weitere 10 Jahre verlängert. Das Dorf konnte sich aber nur wenige Jahrzehnte seines Wohlstandes erfreuen. Nach Beendigung des 1. Weltkrieges wurde das Land rumänisch. 1920 wurde eine Bodenreform verkündet, deren Durchführung das Dorf 1922 erreichte. Der Eigentümer des Grund und Bodens wurde enteignet und die deutschen Pächter wurden landlos. Nach den Bestimmungen der Bodenreform erhielt jeder Landlose 24 Morgen Land und 2.000 qm für den Hof, das bedeutete gegenüber der vorherigen bewirtschafteten Fläche, den Sturz vom großen Bauer zum kleinen Siedler. Viele waren mit dieser Entwicklung wenig einverstanden und wanderten aus, besonders nach Kanada. Die Zurückgebliebenen hatten schwehr zu ringen, weil sie das zugeteilte Ackerland an den Staat bezahlen mussten, gleichzeitig aber die von ihnen selbst erbauten Gebäude noch einmal dem früheren Grundeigentümer abkaufen mussten. Es bestand der Eindruck, dass diese zusätzliche Bezahlung nicht mit rechten Dingen vor sich ging, sondern dass Korruption im Spiel war. Die Lage der deutschen Siedler hatte sich schon nach Ende des 1. Weltkrieges fühlbar gemacht. Bisher hatten sie praktisch überhaupt keine Pacht bezahlt, da sie ja selbst von ihrem Grund und Boden in der Ukraine mindestens den gleichen Betrag als Pacht erhalten hatten. Durch die russische Revolution verloren. Sie ihr gesamtes Eigentum und damit entfiel die entsprechende Pachteinnahme. Ganz schlimm wurde es dann aber erst, als die Russen im Jahre 1940 Bessarabien besetzten. Die Bewohner machten deshalb gerne von der, zwischen Hitler und Stalin vereinbarten Möglichkeit Gebrauch, das Land zu verlassen, um in das Posener Land und nach Westpreußen zu gehen. Schon dadurch wurde die enge Dorfgemeinschaft weiterhin zerstreut, das steigerte sich noch weiter, als auch dieses Land im Zuge des Kriegsereignisses verlassen werden musste. Selbst in der Bundesrepublik kam ein großer Teil der Menschen nicht sofort zur Ruhe. Viele von ihnen mussten noch eine Umsiedlung von Land zu Land über sich ergehen lassen. Die einst so blühende Siedlung Balmas in Bessarabien ist nur noch eine Erinnerung ... Von Peter Mattern (Auszug). Die Angaben stammen von einem älteren Bauer aus Balmas, Vinzens Mack (später Lonnig/Kr. Mayen) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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